Usability Stammtisch

Usability Stammtisch Metropolregion-Rhein-Neckar

Archive for Dezember, 2006

SAP-Mitgründer Hasso Plattner plädiert in der Entwicklung von Computerprogrammen für mehr Design

Über den Erfolg ei­ner Software ent­scheidet wesentlich auch ihr Aussehen auf dem Bild­schirm. Davon ist SAP-Mitgründer Hasso Plattner (Fir­menbild) über­zeugt, wie er anläss­lich der 20-Jahr-Fei­er der Weinheimer Softwareberatungs­firma HPC im Heidelberger Palais Prinz Carl sagte. Zum Vorbild nimmt sich Plattner die USA. Dort sei das Design von Computer­programmen „ ein großes Thema”. Hier­zulande entwickelten Software-Architek­ten zuweilen am Bedarf der Kunden vor­bei. Da würden Funktionen hineingepackt, die der Kunde nicht brauche. Auf die Attraktivität und Verständlichkeit der Benutzeroberfläche werde zu wenig Wert gelegt. „Design und Engineering (technische Entwicklung) haben noch nicht richtig zusammengefunden in der Software”, findet Plattner. Den Walldor­fer SAP-Konzern schließt Plattner in die­se Kritik ein. Die Attraktivität der Soft­ware-Oberfläche könnte man verbessern. Außerdem würden manchmal zu viele In­formationen angezeigt, mit denen der Nutzer nichts anfangen könne. Am besten gestalte man Benutzer­oberflächen so, wie es die meisten Softwarehäuser tun. Das schafft Einheit­lichkeit. Wenn in die Entwicklung früh­zeitig die Designer eingebunden würden, spare das Kosten, sagte Plattner. Mensch­lich könne es dann durchaus mal knir­schen: Softwareentwickler und Softwaredesigner geraten wegen unterschiedli­cher Sichtweisen schon mal aneinander, wie Plattner berichtet. Die Entwickler sollten außerdem ver­mehrt zu den Kunden rausgehen und sich deren Nutzerverhalten ansehen, um Soft­ware auf sie zugeschnitten zu entwi­ckeln, schlägt er vor. Aus Amerika hat er sich die Grundregeln für Design von Soft­ware geholt: Es soll Wünsche erfüllen, technisch machbar sein und für künftige Anforderungen erweiterbar sein. Software solle man von außen nach in­nen entwickeln, also zuerst das Design für den Bildschirm entwerfen und dann die Funktionen dazu entwickeln. Bei SAP würde das aber andersherum ge­macht, und auch er habe früher so entwi­ckelt, räumte er ein. Auch bei der Zusammensetzung der Entwicklerteams habe er dazugelernt.

Heute wisse er, dass man sie am besten fa­kultätsübergreifend zusammensetzt. Da sitzt dann der Biologe neben dem Inge­nieur, und keiner von ihnen kann zu sehr in seinen Fachjargon verfallen und unver­ständlich werden. Design sei nichts, was man für die Ewigkeit entwirft. Der rasan­te technische Fortschritt erfordere, dass 15 Jahre alte Software auch im Design überarbeitet werden müsse. Plattner hatte einst SAP mitgegrün­det und bis vor drei Jahren mitgeleitet. Heute ist er deren Aufsichtsratschef und oberster Softwareberater. An der Univer­sität Potsdam finanziert er das Hasso­Plattner-Institut für Softwaresystemtech­nik (HPI). Die universitäre Einrichtung kooperiert mit dem ebenfalls von Platt­ner finanzierten Hasso Plattner Institute of Design an der Stanford University im kalifornischen Palo Alto. (go)

gefunden bei HPC bzw. aus: Rhein-Neckar-Zeitung (18./19.11.2006)

No comments